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One last time

Josephin S
24. Mai 2021
2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 22. Juni 2021

Vor einem Jahr habe ich das letzte Mal unsere Wohnung betreten. Ich habe das letzte Mal das vertraute Geräusch gehört, das immer entstand, wenn ich den Schlüssel im Schloss umdrehte und in den mit blauem Licht getränkten Flur trat. Ich hörte ein letztes Mal das Brummen deines Computers, der Tag und Nacht lief und roch zum letzten Mal den Geruch der Wohnung. Es war eine Mischung aus deinem Duschgel, meinen Pflanzen und dem Parkettboden. Der Boden roch immer eigen, ich weiß nicht warum.

Ich sah mich ein letztes Mal um. Deine Urkunden, meine Möbel. Deine Möbel, meine Bettwäsche. Deine Akzente, die du in die Wände gebracht hast, meine Küchengeräte. Bilder von uns an der Wand. Das rote Licht im Bad. Die künstlichen Pflanzen dort, weil keine echte überlebt hat.

Jedes Zimmer erzählt seine eigene Geschichte, jeder Winkel birgt seine Geheimnisse, jede Ecke versteckt Emotionen. Jeder Streit, jeder Kuss, jeder intime Moment. All die tiefspäten Gespräche aus den Nächten, die nur uns gehörten. All das klebte noch immer an den Wänden wie klebriger Teer, der sich nie mehr abwaschen lassen würde.

Ich spähte ein letztes Mal aus dem Wohnzimmerfenster auf die Straße, auf der immer unsere Autos hintereinander standen und erinnerte mich an den Morgen deiner zersprungenen Windschutzscheibe. Da standen keine Autos mehr, nicht einmal meines.

Sah ein letztes Mal deine Klamotten überall rumfliegen und hob sie dieses Mal nicht auf. Ich würde sie nie wieder aufheben, aber so wirklich bewusst war mir das in dem Moment nicht. Ich wusste, dass es so ist, aber es war nicht greifbar. Nicht wirklich. Wie in einem Film, von dem ich kein Teil war. Schaltete ein letztes Mal das Licht im Wohnzimmer aus. Alle anderen würden sich von alleine ausschalten. Nahm meine Jacke von der viel zu kleinen Garderobe und meine Schlüssel aus dem Kasten mit diesem einen Bild von uns. Dieses Bild, das unsere Verbindung in nur einem Foto ausdrückte: Sicherheit, Verständnis und Liebe. Dort ließ ich mich einfach in deinen Armen fallen, so wie ich es sonst jeden Abend tat. Ich klappte den Kasten zu und ging aus der Tür, ohne mich noch einmal umzudrehen. Ich hörte ein letztes Mal das Klacken der Tür, wie sie ins Schloss fiel und schwor mir in diesem Moment, diesen Fleck Erde nie wieder zu betreten. Fast blind leitete mich das Geländer das Treppenhaus hinunter, das immer ein bisschen nach Putzmittel und kaltem Zigarettenrauch roch. Eine paradoxe Mischung, die mir immer suspekt war. Ich überprüfte ein letztes Mal unseren Briefkasten nach Post für mich. Es standen noch immer unsere Namen auf dem Schild. Mich überkam ein Gefühl der Enge in der Brust und ich ließ auch die Haustür ein letztes Mal hinter mir ins Schloss fallen.

Mit unklarem Blick voller Tränen, die sich nun doch entgegen meinem Willen in meinen Augen sammelten, setzte ich mich hinters Steuer. Alles um mich herum wurde still. Ich hörte nur noch ein lautes Rauschen in meinen Ohren. Alles verschwamm vor meinen Augen und ich realisierte, dass das der Anfang eines neuen Kapitels war. Ein Kapitel, von dem ich noch nicht wusste, wie es werden würde. Aber eins war mir klar: es würde anders werden.


 
 
 

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